One Day  8. November

"Koolulam" ist eine musikalische Initiative, die gegründet würde, Menschen zusammen zu bringen, um gemeinsam Musik zu machen. Diese Menschen haben nur wenige Stunden geübt und singen das Lied in Arabisch, Hebräisch und Englisch (4:49Min). Ich habe beim Anschauen des Videos Gänzehaut bekommen.

www.youtube.com/watch?v=XqvKDCP5-xE


Drei positive Dinge finden 8. November

Ich gehe heute Morgen mit meiner Tasse Kaffee nach draußen. Über einem Busch steigt Dunst auf. Die Sonne, die auf den Busch scheint lässt die Feuchtigkeit der Nacht verdampfen. Ich stehe da, betrachte das Bild und genieße.
Später am Nachmittag mache ich einen Spaziergang im Wald. Die Sonne hebt die verschiedenen Gelb,- Rot und Brauntöne der Blätter leuchtend hervor. Es ist ein phantastisches Farbspiel.
Ich setze mich auf eine Bank in der Sonne. Marienkäfer nutzen mich als Landebahn. Ich betrachte sie beim Rumkrabbeln und wieder abfliegen.

Welche drei Dinge waren heute für dich positiv? Schau genau hin!  Es können auch ganz ganz kleine Momente sein. Es gibt sie. Ganz sicher.


Der perfekte Moment    7. November

Ich fahre auf den Markt in St. Ingbert. Ich stehe an einem Stand Schlange und kaufe dann ein. An einem zweiten Stand stehe ich Schlange, bis ich dran komme. Für einen Cappuccino, stehe ich weiteres Mal Schlange. Ich gehe auf die Post, um ein Päckchen abzuschicken und stehe auch dort Schlange. Dann noch zur Bank: Auch hier heißt es wieder: Schlange stehen. Auf dem Rückweg schlendere ich nochmal über den Markt. Eine Frau hat sich mit ihrer Gitarre etwas an den Rand gestellt und singt. Ich stelle mich in die Sonne und höre ihr zu. Und plötzlich nimmt mich dieser Moment total gefangen: Ich vergesse das "Schlange stehen" und alles um mich herum. Ich genieße die wärmende Sonne und den tollen Gesang der Frau. Alles fällt von mir ab. Für diesen einen Moment bin ich total in Einklang mit allem was ist und bin einfach nur glücklich. Es ist ein perfekter Moment.

Kennst du solche Momente des Einklangs? Wann hast du so einen Moment  zuletzt erlebt?


Den "positiv" Muskel trainieren   30. Oktober

Allzu oft lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf das, was nicht funktioniert, auf das was schief läuft. Schon in der Schule werden nur die Fehler rot angestrichen. Das auch was richtig war, wird oft gar nicht erwähnt. Wir sind von früh auf geübt das Glas halb leer zu sehen. Wenn das Glas halb leer ist, ist es doch auch halb voll.
Worauf richte meine Aufmerksamkeit?
Ich habe am Freitag begonnen einen großen Hausputz zu machen. Irgendwann habe ich die Lust verloren und habe mittendrin aufgehört. Im ersten Moment dachte ich: "So ein Mist. Jetzt bin ich nicht fertig geworden," und war unzufrieden. Und dann konnte ich die Perspektive ändern und merken, dass ich Ecken sauber gemacht hatte, denen ich sonst weniger Aufmerksamkeit schenke. Zufriedenheit darüber kam auf, dass ich doch einiges geschafft hatte.

Gibt es gerade eine Situation in deinem Leben, wo du eher das Glas halb leer siehst? Gibt es an der Situation vielleicht doch auch etwas, was gelungen ist?


Zwei Wölfe  24. Oktober

Ein alter Cherokee Indianer sitzt mit seiner Enkelin am Lagerfeuer. Er sagt: "Im Leben gibt es zwei Wölfe, die miteinander kämpfen. Der erste ist Hass, Misstrauen, Feindschaft, Angst und Kampf. Der zweite ist Liebe, Vertrauen, Freundschaft, Hoffnung und Friede."
Das kleine Mädchen schaut eine Weile ins Feuer und fragt dann: "Und welcher Wolf gewinnt?"
Der Großvater schweigt und nach einer Weile sagt er: "Der, den du fütterst!"

Welchen Wolf fütterst du?


Wortklauberei  17. Oktober

Ich besuche eine Freundin. Wir sind in ihrem Garten und sie fragt mich, ob ich gerne Mangold essen würde. Den hätte sie noch im Garten. "Ja", sage ich, " Mangold ist ok."  "Bist du also scharf auf Mangold?", fragt sie mich. "Nein", antworte ich, " ich bin nicht scharf auf Mangold. Ich esse ihn gern. Nicht mehr und nicht weniger." "Du immer mit deiner Wortklauberei" kommentiert sie noch.
"Scharf auf etwas" sein, hat für mich eine andere Bedeutung. Damit meine ist, dass ich etwas jetzt sofort essen oder trinken möchte. Und so ist es mit dem Mangold nicht. Ich esse ihn gerne und wäre auch offen etwas anderes zu essen. Das Deutsche hat genug Worte um präzise das auszudrücken, was ich möchte.


Das halbleere und das halbvolle Glas   10. Oktober

Stell dir ein Glas vor, dass halb leer ist. Vielleicht hast du ja gerade eins vor dir stehen. Spüre einmal in dich hinein. Wie fühlt es sich körperlich an, wenn du sagst: " Das Glas ist halb leer." Was nimmst du wahr? Es geht nicht darum, was du denkst, sondern was du in deinem Körper wahrnimmst. Wird dir kalt oder warm? Leicht oder schwer? Eng oder spürst du eine Anspannung? Alles ist ok. Es gibt bei der Übung kein "richtiges" oder "falsches" Wahrnehmen.

Jetzt ändere die Perspektive: Stell dir das Glas vor und sage dir: "Das Glas ist halbvoll." Was kannst du jetzt in deinem Körper wahrnehmen? Verändert sich etwas? Was verändert sich?

Welche Sichtweise fühlt sich angenehmer für dich an? Du hast die Wahl. Du kannst dich entscheiden, das Glas halbleer oder halbvoll zu sehen.


Den Garten gießen   1. August

Zwei Frauen aus dem Baltikum kümmern sich um den betagten Herrn im Haus. Die ältere Frau ist für die Küche und die Wäsche zuständig. Sie spricht nur ein paar Brocken Deutsch. Die jüngere spricht sehr gut Deutsch. Ich plaudere öfter mit ihr und sie erklärt mir, sie kümmere sich um alles andere im Haus und den Garten. Sie würden sich schon lange kennen und gerne zusammen arbeiten, die ältere Frau und sie selbst, erzählt mir die Jüngere.
Irgendwann gehe ich mit einem Nachbarn spazieren und er erzählt mir, dass er die beiden Frauen im Garten gesehen habe. Die Jüngere hätte den Garten gegossen und die Ältere hätte hinter ihr gestanden und sie kontrolliert.

Wenn du Menschen beobachtest, was genau beobachtest du? Was genau machen die Personen? Was genau sagen sie, wenn es sich um ein Gespräch handelt?

Versuche einmal von einer Situation nur die Fakten zu benennen. Alles andere ist Interpretation.


Ferienlektüre   23. Juli

Teil 1
Ich verbringe meinen Urlaub auf einem Zeltplatz am Meer. Ich habe zwei Bücher mitgenommen und merke erst dort, dass mich die beiden Bücher nicht ansprechen. Ich überlege, was ich machen kann. Ich spreche ein Paar in einem deutschen Wohnmobil an und frage sie, ob sie vielleicht Bücher dabei hätten, die sie schon ausgelesen hätten und bereit wären weiterzugeben. Sie müsse mal schauen, antwortet die Frau.
Am nächsten Morgen sitze ich vor dem Zelt und frühstücke. Die Frau aus dem Wohnmobil kommt mit einem Stapel Bücher auf mich zu. Diese Bücher hätten sie schon ausgelesen, die könne ich haben, sagt sie. Ich freue mich: Da wird bestimmt etwas für mich dabei sein.

Hast du schon mal um etwas gebeten? Wie war das für dich? Konntest du leicht darum bitten? Oder fiel es dir schwer?

Wurdest du schon mal um etwas gebeten? Hast es geben oder tun können? Hast du es aus freien Herzen geben oder tun können?

Teil 2
Die Frau beginnt mir jedes Buch im einzelnen zusammenzufassen und wie sie selbst und ihr Mann das Buch fanden. Sie erzählt, wo das eine Buch spiele und dass sie diese Orte abgefahren wären und auch in dem Restaurant gewesen wären, dass in dem Roman erwähnt worden wäre. Sie erzählt mir von diversen anderen Fahrten mit dem Wohnmobil, wo sie schon gewesen wären, was sie dort erlebt haben und warum sie an bestimmte Orte nicht mehr führen und warum sie so gerne an diesen bestimmten Ort kämen. Sie erzählt mir von einer Panne auf der Autobahn, was ihnen dabei passiert ist, wie lange sie auf den Abschleppdienst gewartet hätten, was der dann gemacht hätte und wie heiß es da war und sie nichts zu trinken dabei hatten.
Ich sehe auf meinen Teller, ich habe mein Brot nur zur Hälfte gegessen und mein Kaffee zur Hälfte getrunken.
Die Frau erzählt weiter. Ich freue mich über die Bücher und würde auch gerne weiter frühstücken. Ich nehme einen Anlauf, um sie zu unterbrechen und bemerke meine Gedanken: Jetzt hat dir die Frau die Bücher gebracht, da darfst du doch nicht unhöflich sein und sie unterbrechen.
Ich werde ungeduldig. Ich möchte weiter frühstücken. Mein Zuhörkapazität ist schon lange erschöpft. Ich höre nicht mehr zu. Meine Gedanken hindern mich sie zu unterbrechen. Nach weiteren langen Berichten, kommt Irgendwann ihr Mann sie suchen und sie gehen. Ich bin erleichtert und kann endlich zu Ende frühstücken.
Ich habe Höflichkeit über Selbstfürsorge gestellt. Ich nehme mir vor, das nächste Mal besser für mich zu sorgen

Wann hast du einmal länger zugehört als du wirklich wolltest? Was hat sich daran gehindert? Wie ging es dir damit?


Verbindung  14. Juni

Ich plaudere mit einem Bekannten. Ich erzähle, was mir gerade so passiert ist: Ich wollte etwas im Internet bestellen, mit Kreditkarte bezahlen und die Zahlung wurde abgelehnt. Er erzählt mir, was einem Freund von ihm mal mit seiner Kreditkarte passiert sei.
Ich erzähle, dass ich gerade etwas über Ebay verkaufe. Er berichtet mir davon, was er mal von jemandem gehört habe und was dem bei Ebay passiert sei.
Ich erzähle von einem Fernsehbericht, den ich gerade gesehen hatte und den ich sehr interessant fand. Er erzählt von einem anderen Freund, dem mal etwas Ähnliches wie in dem Bericht passiert sei.
Ich werde zunehmend irritiert und unruhig. Was ist es, dass mich unruhig macht, frage ich mich.
Ich erzähle von dem das mir persönlich gerade in den letzten Tagen passiert ist und was auch noch sehr lebendig in mir ist. Er erzählt nichts von sich, sondern von Menschen, die ich nicht kenne.  Ich wünsche mir Verbindung. Ich würde gerne wissen, was er gerade erlebt und was gerade in ihm lebendig ist.

Wo lebst du Verbindung? Mir dir selbst?  Bist du in Verbindung mit dem, was gerade in dir lebendig ist? Kannst du es wahrnehmen?

Bist du in Verbindung mit einem anderen Menschen? Weißt du was ihn/sie gerade bewegt?


Guten Morgen      26. Mai

Gegen 7Uhr morgens stehe ich auf dem Weg zur Schule an einer roten Ampel. Eine Frau in Arbeitsanzug sammelt auf dem Bürgersteig Müll auf. Ich öffne das Beifahrerfenster und rufe ihr: "Guten Morgen" zu. Sie schaut erstaunt auf, sieht mich und ein Lächeln breitet sich über ihr Gesicht aus. " Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag", füge ich hinzu. "Das wünsche ich Ihnen auch", antwortet sie. Die Ampel springt auf Grün und ich fahre weiter. Ich spüre eine große Freude in diesem kurzen Kontakt und in diesem einen Moment entsteht mit einer mir völlig unbekannten Person ein Wohlwollen und eine Freundlichkeit, die mich in den Vormittag trägt.

Wann hat dir eine unbekannte Person ein Lächeln geschenkt? Konntest du es annehmen? Was hat es in dir ausgelöst?

Wann hast du einer unbekannten Person ein Lächeln geschenkt? Wie hat sie reagiert?


Gerädert   21. Mai

Ich wache auf und fühle mich "gerädert" und "erschlagen". Ich erinnere mich an die Kraft der Worte von Mechthild von Scheurl-Defersdorf
(s. a. 7. März) an die Wechselwirkung zwischen der Sprache, die ein Mensch spricht und was die Person in ihrem Leben erlebt. Und ich formuliere um: Ich fühle mich heute schwer und ohne Energie.


Gehört werden    15. Mai

Ich komme aus dem Garten zurück und merke, dass die Thermoskanne, sie ich mitgenommen hatte, ausgelaufen ist. Das Buch, das ich dabei hatte, ist nass geworden. Gott sei Dank war es nur Wasser. Das Buch ist aus der Bibliothek und da mir so etwas schon mal passiert ist, weiß ich, dass die Bibliothek das Buch nicht zurücknimmt und den Preis für ein neues verlangt. So ein Ärger.
Eine Freundin ruft an. Ich erzähle ihr, was mir gerade passiert ist.  "Ach vergiss es", sagt die. Wie soll ich das vergessen? Das Buch liegt gerade vor mir in der Sonne zum Trocknen. Ich finde das total ärgerlich wiederhole ich. Ich leihe mir doch gerade Bücher aus, um mir keine kaufen zu müssen. Das ist so unnötig. "Das passiert halt schon mal", meint die dann noch.

Und ich würde einfach nur gerne gehört werden z.B.:  "Ja, es ist so nervig, dass das Buch nass geworden ist und du jetzt das Buch bezahlen musst. Du leihst dir doch gerade Bücher aus, damit du keine kaufen musst."


Wer ist "man"?    14. Mai

Ich stehe im Lehrerzimmer mit einer Kollegin an der Kaffeemaschine, die auf der Geschirrspülmaschine steht. Sie öffnet die Geschirrspülmaschine, schaut rein und meint "Oh, die müsste man auch mal wieder anstellen", sagt sie. Und ich frage sie: "Und wer ist "man"? Später habe ich Zeit und stelle die Maschine an.


53 Nachrichten    7. Mai

Ich bin in einer Whatsapp Gruppe von meinem Chor. Da wir uns zur Zeit nicht treffen können, gab es einen kurzen Austausch in der Gruppe, wie es uns so geht während der Corona Zeit. Ich habe anschließend mein Smartphone weggelegt und erst viel später wieder drauf geschaut. In der Zwischenzeit waren 53 Nachrichten eingegangen. Als ich nachschaute, sah ich, dass sich 2-3 Teilnehmerinnen der Chor Whatsapp Gruppe intensiv über ein Rechenrätzel ausgetauscht haben. Also nichts, was mit dem Chor zu tun hat. Ich war richtig verärgert. 53 Nachrichten!
Ich war eine ganze Weile mit dem Ärger verhakt: "Können die sich denn nicht privat mit Rechenrätzeln beschäftigen? Ich finde Matherätzel einfach nur doof. Das müssen doch nicht alle mitkriegen! 53 Nachrichten. Das nervt! Darauf habe ich ganz schön lange rumgekaut. Dann erst konnte ich nach meinen Bedürfnissen schauen: Mir ist eine effektive Nutzung und Klarheit in der Struktur wichtig d.h. für mich, dass ich die Whatsapp Gruppe Chor für Sachen, die den Chor angehen nutzen möchte z.B. Terminabsprachen, den Austausch über Noten und Lieder usw. Erst als ich für mich klar hatte, worum es mir geht, konnte ich in die Freude reinspüren, die diese 2-3 Frauen hatten an und mit dem Rechenrätzel.
Und mir ist dabei nochmal verstärkt klar geworden, wie wichtig es ist dem Ärger und den Wolfsgedanken auch Raum zu geben. Nur dann können sie sich wieder beruhigen. Auch sie wollen gesehen und gehört werden.


Die Kürbiskerne  22. April

Ich bin begeisterte Gärtnerin und habe ein Pachtgrundstück von der Stadt. Ich habe Obststräucher, Zwergobstbäume, Blumen und Gemüse im Garten. Für die kommende Saison wollte ich Hokkaido Kürbisse vorziehen. Ich habe die Möglichkeit Samen oder Pflänzchen zu kaufen. Ich entschließe mich schließlich einen Hokkaido zu kaufen, damit etwas zu kochen und die Samen zu verwenden. Als ich den Kürbis öffne, bin ich völlig über die Anzahl der Kerne verblüfft. Natürlich habe ich schon öfter Kürbisse gekauft und verarbeitet und mir ist bisher nie die große Anzahl der Kerne aufgefallen. Ich habe sie dann tatsächlich gezählt. An die 100 waren es! Aus einen Kürbis lassen sich, sollte man denn den Platz dafür haben ca. 100 weitere Pflanzen ziehen. Die wiederum produzieren je nach Wetter und Bodenbeschaffenheit 2-4 Kürbisse pro Pflanze.

Mir geht es hier nicht um Gartenweißheiten. Worauf ich hinaus will, ist die schiere Fülle, die ich im Innern des Kürbisses vorfand. Und das an einem völlig unerwarteten Platz und das zu einer Zeit als noch ein Mangel im Außen ist: Die meisten Geschäfte sind geschlossen und Kontakte sollten möglichst vermieden werden.
Und da war die Fülle. Mitten im Kürbis: Die Entdeckung hat mir solche Freude bereitet und sie hat mich eine ganze Zeit lang getragen und genährt. Und auch jetzt wieder beim Schreiben, kann ich daran anknüpfen.

Kennst du Fülle? Erlebst du Fülle? Wo erlebst du Fülle? Vielleicht überrascht sie dich ja auch an völlig unerwarteten Orten und in unerwarteten Momenten.


Gehalten werden    11. April

Ganz in der Nähe wo ich wohne gibt es eine kleine Allee von Kastanien. Jetzt im Frühjahr wird der Wald wieder grün und ganz dicht und die Allee bildet durch die sich oben schließenden Kronen ein Dach. Sie umhüllt mich und ich fühle mich ganz in ihr geborgen. Ich spaziere oft dorthin und genieße das gehalten werden. Ich fühle mich warm geborgen wie in den Armen eines geliebten Menschen.

Gibt es einen Ort für dich, wo du dich gehalten und geborgen fühlst?


Das Stehen   4. April

Gerade in Krisenzeiten ist das Stehen sehr wichtig: Wir bleiben standhaft und können widerstehen.

Wie stehst du gerade? Steht du stabil? Oder fest verwurzelt? Oder eher schwankend?


Ein Experiment in der U-Bahn Station   4. April

An einer U-Bahn Station in Washington DC spielte an einem Morgen ein Mann für 45 Min auf seiner Violine sechs Stücke von Bach. Während dieser Zeit benutzten ca. 2000 Menschen diese Haltestelle, die meisten auf dem Weg zur Arbeit.
Nach etwa drei Minuten bemerkte ein Passant die Musik. Für ein paar Sekunden verlangsamte er seine Schritte, um dann schnell wieder seinen Weg zur Arbeit fortzusetzen.
Vier Minuten später: Der Geiger erhält seinen ersten Dollar. Eine Frau wirft ihm das Geld in seinen Hut, ohne ihr Tempo zu verringern.
Sechs Minuten später: Ein junger Mann lehnt sich gegen die Wand, um zuzuhören, dann blickt er auf seine Uhr und setzt seinen Weg fort.
Zehr Minuten später: Ein dreijähriger Junge bleibt stehen, um dem Musiker zuzuhören, aber seine Mutter zieht ihn weiter. Mehrere Kinder verhalten sich so, aber die Eltern drängen weiter.
Nach 45 Minuten: Nur sechs Menschen blieben stehen und hörten zu. Ca. 20 geben ihm Geld. Seine Gesamteinnahmen lagen bei 32 Dollar.
Nach 1 Stunde: Der Musiker beendete seine Darbietung und es wurde still. Niemand nahm Notiz und niemand applaudierte.
Niemand wusste es, aber der Musiker was Joshua Bell, einer der größten Musiker der Welt. Er spielte einer der schwierigsten Stücke, die je geschrieben wurden, auf einer Violine im Wert von 3,4, Mio. Dollar.
Zwei Tage zuvor spielte er in Boston das gleiche Stück zu einem Durchschnittspreis von 100 Dollar pro Sitzplatz.
Auftraggeber des sozialen Experiments über Wahrnehmung, Geschmack und Prioritäten war die Washington Post.
Das Projekt warf folgende Fragen auf:
Können wir Schönheit in einem alltäglichen Umfeld, zu einem unangemessenen Zeitpunkt wahrnehmen?
Wenn dem so ist, nehmen wir uns die Zeit sie wertzuschätzen? Erkennen wir Talent in einem unerwarteten Kontext?
Eine mögliche Schlussfolgerung könnte sein:
Wenn wir nicht einen Moment Zeit haben, anzuhalten und einen der besten Musiker zuzuhören..... Wie viele andere Gelegenheiten verpassen wir, während wir durchs Leben hasten?

Und ich frage mich: Wäre ich stehen geblieben?

www.youtube.com/watch?v=LZeSZFYCNRw


Eine Wortprobe   7. April

Eine Wortprobe ist so was ähnliches wie eine Weinprobe. Da nehmen wir einen Schluck Wein in den Mund und kosten ihn. Wir achten auf den Geschmack und auch auf den Nachgeschmack. Nur wenn der Wein uns schmeckt, nehmen wir mehr davon.

So ähnlich ist es mit einer Wortprobe. Auch da nehmen wir ein Wort in den Mund und schmecken ihm nach. Dann merken wir, ob ein Wort uns angenehm ist und uns wohltut oder ob es und unangenehm ist. Jedes Wort wirkt und hat eine Wirkung. Bei normalem Sprechtempo achten wir nur auf die Inhalte und nicht auf die Wirkung der einzelnen Wörter.

Lesen Sie die einzelnen Wörter langsam durch. Machen Sie jeweils eine Pause zwischen den Wörtern. Lauschen Sie dem Klang und horchen Sie in sich hinein:

"Quelle - Quellwasser - Apfelbaum - behutsam - müssen - schnell - Flughafen - Airport - Wohlwollen - Lächeln - Dankeschön"

Gibt es dabei ein Wort, das bei Ihnen eine angenehme Empfindung auslöst? Gibt es eines, dass eine unangenehme Empfindung auslöst?

Wortproben sind dafür da, sich der Wirkung eines Wortes bewusst zu machen. Wir können uns immer wieder neu bewusst machen, ob uns ein Wort gut tut. Die können wir dann bewusst gebrauchen oder auch bewusst in unsere Sprache aufnehmen. Umgekehrt können wir uns belastende Wörter erkennen uns sie dann reduzieren oder ganz aus unserer Sprache streichen.

Noch etwas geschieht bei den Wortproben: Wir üben, Denken und Fühlen in Einklang zu bringen. Wer seine Gedanken fühlt und gleichzeitig denkt, der steigert damit die Kraft seiner Gedanken und somit seine eigenen Wirksamkeit.

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen der Sprache, die ein Mensch spricht, und dem, was er in seinem Leben erlebt.

Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf: In der Sprache liegt die Kraft   Klar reden. Besser Leben


Welche Worte tun dir gut? Benutzt du sie täglich?


www.youtube.com/watch?v=GDIyIviEGpQ


Wer hat sich schon mal etwas gebrochen?    8. März

"Wer sich schon mal etwas gebrochen hat, möge bitte die Hand heben". Nachdem sich einige gemeldet haben, fahre ich fort: "Wem dieser Bruch immer noch weh tut, der soll seine oben lassen." Normalerweise senken sich jetzt die Hände. Danach fordere ich sie auf: "Hebt die Hand, wenn euch immer noch etwas schmerzt, was jemand im vergangenen Jahr zu euch gesagt habt. "Jetzt melden sich viele. " Lasst die Hand oben, wenn ihr immer noch Schmerzen verspürt über eine Bemerkung, die jemand in den letzten fünf Jahren gemacht hat." Die Hände bleiben oben.

Ich denke wir sind alle sehr verletzlich, wie Windbeutel, außen knusprig und im Innern sehr zart und süß.

Silvia Boorstein: Buddha oder Die Lust am Alltäglichen